Vor Ihnen an der Ampel steht ein Auto mit ZP auf dem Kennzeichen. Oder mit MAB, SZB, HMÜ. Bei den grossen Städten weiss jeder Bescheid, aber bei drei fremden Buchstaben hört das Raten schnell auf. Dieser Artikel erklärt, wie deutsche Kennzeichen aufgebaut sind, warum längst abgeschaffte Kürzel wieder auftauchen und wo Sie jedes einzelne davon nachschlagen können.

Wie ein deutsches Kennzeichen aufgebaut ist

Jedes Kennzeichen besteht aus zwei Teilen. Vorne stehen ein bis drei Buchstaben, das sogenannte Unterscheidungszeichen. Es benennt die Zulassungsbehörde, bei der das Fahrzeug angemeldet wurde, also in aller Regel einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt. Dahinter folgt die Erkennungsnummer aus ein bis zwei Buchstaben und bis zu vier Ziffern.

Als Faustregel gilt: Je kürzer das Unterscheidungszeichen, desto grösser der Ort. Ein einzelner Buchstabe steht für eine Grossstadt, B für Berlin, M für München, K für Köln. Drei Buchstaben deuten fast immer auf einen Landkreis oder eine kleinere Stadt hin. Der Grund ist historisch: Bei der Einführung 1956 bekamen die einwohnerstärksten Zulassungsbezirke die kürzesten und damit begehrtesten Kürzel.

Warum plötzlich wieder alte Kürzel auftauchen

Bei den Gebietsreformen der vergangenen Jahrzehnte wurden viele Landkreise zusammengelegt. Die Kennzeichen der verschwundenen Kreise verschwanden mit ihnen. Seit November 2012 gilt jedoch die sogenannte Kennzeichenliberalisierung: Die Bundesländer dürfen alte Unterscheidungszeichen wieder freigeben, und die meisten haben davon Gebrauch gemacht.

Deshalb können in einem einzigen Landkreis heute mehrere Kürzel nebeneinander ausgegeben werden. Der Erzgebirgskreis in Sachsen ist ein gutes Beispiel: Neben dem aktuellen ERZ sind dort auch ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB und ZP zugelassen, also neun verschiedene Zeichen für ein und denselben Kreis. STL steht dabei für Stollberg, obwohl der Kreissitz in Annaberg-Buchholz liegt. Das Kürzel erinnert an den Landkreis Stollberg, der 2008 im Erzgebirgskreis aufgegangen ist.

Für Sie als Beobachter am Strassenrand heisst das: Vom Kennzeichen auf den Wohnort zu schliessen, funktioniert nur noch grob. Sie erkennen den Landkreis, nicht mehr die Stadt.

Wo Sie ein Kennzeichen nachschlagen

Für den schnellen Blick zwischendurch eignet sich das Verzeichnis der Kfz-Kennzeichen bei OpenGeoDB. Dort sind alle aktuell vergebenen Unterscheidungszeichen von A bis Z aufgeführt, jeweils mit dem zuständigen Landkreis, der Kreisstadt und der Angabe, von welchem Ortsnamen sich die Buchstaben ableiten. Ein Suchfeld filtert die Liste, Sie können also auch andersherum vorgehen und nach einem Ortsnamen suchen, um dessen Kennzeichen zu finden.

Hinter dem Verzeichnis steht OpenGeoDB, ein freies Nachschlagewerk für deutsche Geodaten. Das Projekt sammelt seit den 2000er-Jahren Koordinaten und Ortsangaben und führt heute zu jeder deutschen Gemeinde eine eigene Seite mit Postleitzahl, Vorwahl, Einwohnerzahl und Lage. Wer also nicht nur wissen will, wozu ZP gehört, sondern gleich mehr über den Ort erfahren möchte, ist dort richtig.

Amtlich wird es beim Kraftfahrt-Bundesamt. Die Behörde führt das Verzeichnis der gültigen Unterscheidungszeichen und veröffentlicht es als Liste zum Herunterladen. Für den Alltag ist das meist zu umständlich, als Beleg bei Zweifelsfällen aber die richtige Adresse.

Was das Kennzeichen nicht verrät

Ein Punkt, der immer wieder für Missverständnisse sorgt: Wer ein Fahrzeug fährt, lässt sich über das Kennzeichen nicht herausfinden. Halterdaten stehen im Fahrzeugregister und sind nicht öffentlich. Eine Auskunft erhalten Sie nur mit berechtigtem Interesse, etwa nach einem Unfall mit Fahrerflucht oder bei offenen Forderungen. Der Antrag läuft über die Zulassungsstelle oder das Kraftfahrt-Bundesamt und verlangt eine Begründung.

Halten Sie sich fern von Webseiten, die eine sofortige Halterabfrage gegen Gebühr versprechen. Solche Angebote können nicht liefern, was sie behaupten, denn den Zugriff auf das Register haben sie schlicht nicht. Im besten Fall zahlen Sie für eine Information, die Sie kostenlos bekommen hätten.

Sonderformen, die Ihnen begegnen

Neben dem gewöhnlichen Kennzeichen gibt es einige Varianten, die Sie am Aufbau erkennen. Ein Saisonkennzeichen trägt rechts zwei übereinanderstehende Zahlen, etwa 4 und 10. Das Fahrzeug darf dann nur von April bis Oktober fahren, typisch für Wohnmobile und Motorräder. Ein H am Ende weist ein Oldtimer-Kennzeichen aus, dafür muss das Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt und weitgehend original sein. Ein E steht für ein Elektrofahrzeug und bringt je nach Kommune Vorteile beim Parken.

Rote Kennzeichen mit vorangestellter Null gehören Händlern und Werkstätten für Probefahrten. Grüne Schrift auf weissem Grund bedeutet Steuerbefreiung, etwa bei land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen oder Anhängern.

Kennzeichen behalten beim Umzug

Seit 2015 dürfen Sie Ihr Kennzeichen bei einem Umzug innerhalb Deutschlands behalten. Sie müssen das Fahrzeug zwar bei der neuen Zulassungsstelle ummelden, die Schilder bleiben aber dieselben. Das spart die Kosten für neue Schilder und erklärt, warum Ihnen in einer Stadt regelmässig ortsfremde Kürzel begegnen.

Wer umgekehrt Wert auf ein bestimmtes Kürzel legt, kann bei vielen Zulassungsstellen ein Wunschkennzeichen reservieren, meist online und gegen eine Gebühr von etwa zehn Euro. Frei wählbar sind dabei nur die Buchstaben und Ziffern nach dem Unterscheidungszeichen.